Merkblatt «Umgang mit Jungvögel»

Als erstes gilt es abzuschätzen, ob der Vogel in Not ist (flugunfähig, verletzt) und um welche Art von Vogel es sich han- delt. Um die bestmögliche Lösung für das Tier zu finden, dürfen Sie uns gern kontaktieren, damit wir mit Ihnen ge- meinsam den Fall beurteilen und mit Ihnen die weitere Verfahrensweise besprechen können. Auch gilt es, sich selbst nicht in Gefahr zu bringen, denn Vögel können sich auch wehren und Ihnen Verletzungen zufügen. Falls Sie den Vogel nicht bergen können, avisieren Sie den zuständigen Wildhüter oder die Polizei. Wir helfen gern bei der Vermitt- lung von Telefonnummern.

Das Einfangen eines in Not geratenen Wildvogels ist oft nicht ganz einfach. Bewahren Sie Ruhe und versuchen Sie, den Vogel nach Möglichkeit in eine Ecke oder an eine Wand zu treiben, wo er sich leichter einkreisen lässt.

Greifvögel und Eulen können Ihnen mit den Krallen schmerzhafte Verletzungen zufügen, weshalb für deren Einfangen das Tragen von Lederhandschuhen von Vorteil ist. Beim Einfangen eines Greifvogels sollten Sie zuerst unbedingt eine dicke Decke (notfalls auch eine Jacke) über den Vogel werfen. Wichtig ist dabei, als nächstes immer die Füsse (Fänge) des Vogels gefasst zu bekommen, ohne dass derjenige Sie verletzen kann.

Stelzvögel (Reiher, Störche) und Haubentaucher stossen mit ihrem spitzen Schnabel gegen das Gesicht (Augen!) und haben wegen ihres langen beweglichen Halses eine erstaunliche Reichweite. Benutzen Sie auch hierfür wieder eine Decke oder ähnliches. Versuchen Sie als erstes, mit der einen Hand den Schnabel und gleichzeitig mit der anderen Hand den Hinterkopf des Vogels zu greifen und zu fixieren. Eine zweite Person kann dann unverzüglich die Flügel an den Körper des Vogels drücken und so mit beiden Händen den Vogel leicht an den eigenen Körper drücken, um ihn zu fixieren. Schnabel und Kopf werden erst nach erfolgter Verpackung losgelassen, bevor der Deckel geschlossen wird.

Beim Einfangen und Transport beachten Sie bitte folgende Punkte:

  • Einfangen mit Decke / Handschuhen Festhalten ohne Druck auf Brust und Bauch (um Atemprobleme zu vermeiden)
  • Transportieren in der Kartonschachtel

Vögel sind es nicht gewohnt, angefasst zu werden. Ein langes Festhalten bzw. ausgiebiges Streicheln sollten bei diesen stressanfälligen Tieren unbedingt vermieden werden. Zum Einfangen werfen Sie bitte ein Handtuch oder eine Decke über den Vogel. So können Sie ihn leichter vom Boden aufnehmen und Sie brauchen beim Festhalten keinen Druck mehr auszuüben.

Beim Festhalten eines Vogels sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Sie keinen Druck auf Brust und Bauch aus- üben, damit keine Atemprobleme entstehen. Als Transportbehälter bietet sich eine Kartonschachtel an, die Sie bitte mit mehreren Lagen Zeitungspapier, Küchenrolle oder Toilettenpapier auslegen, damit die Ausscheidungen des Vogels aufgenommen werden können. Zudem sollte er ausreichend gross sein und vorgehend mit Luftlöchern versehen werden. Der Vogel sollte darin jedoch keine Flugversuche unternehmen können (so gross wie nötig, so klein wie möglich).

Allgemeines

Entgegen anders lautenden Meinungen und «Weisheiten» sollten Sie niemals einen auf dem Boden vorgefundenen Wildvogel in die Luft werfen! Vor allem über Alpen- und Mauersegler wird immer wieder gesagt, man solle einen am Boden liegenden Vogel in die Hand nehmen und ihm Starthilfe leisten, indem man ihn hochwirft. Dies könnte den Vogel töten, denn nur ein kranker oder verletzter und damit flugunfähig gewordener Vogel geht zu Boden!

Sämtliche hilflos aufgefundenen Altvögel sind grundsätzlich als Notfall zu betrachten und man sollte sie unbedingt mit allergrösster Vorsicht behandeln. Vögel, die fit genug sind, starten aus der ausgestreckten Hand aus eigener Kraft. Gehen sie danach unmittelbar wieder zu Boden, muss ihnen durch den Menschen geholfen werden, indem sie einer Fachperson zur Pflege übergeben werden.