Merkblatt «Kurzfristige Betreuung»

In einigen Fällen kommt es vor, dass ein hilfebedürftiges Wildtier ausserhalb der Geschäftszeiten der Stiftung Wildstation gefunden wird. Im Folgenden finden Sie deshalb einen Leitfaden, um das Tier bis zum nächsten Morgen gut unterzubringen, um es anschliessend in fachgerechte Hände zu übergeben.

  • Im Falle eines Wildunfalls oder falls Sie ein schwer verletztes oder schwer krankes Wildtier gefunden haben, kontaktieren Sie bitte umgehend die Polizei unter 117.
  • In anderen Fällen stellen Sie fest, ob das Tier wirklich Hilfe benötigt, d. h. das Tier verletzt, krank oder verwaist ist. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch auf unseren Merkblättern zu den verschiedenen Tiergruppen.
  • Fangen Sie das Tier behutsam ein! Bei Vögeln ist es wichtig, Druck auf Brust und Bauch zu vermeiden, um Atem- probleme zu verhindern. Achten Sie beim Einfangen auf die nötigen Eigenschutzmassnahmen, z. B. das Anlegen von Handschuhen bei Fledermäusen, Igeln, etc. oder das Einfangen mittels Handtuch oder Decke. Kann das Tier nicht selbst eingefangen werden, z.B. wenn es sehr wehrhaft ist und man sich selbst in Gefahr bringen würde, benachrichtigen Sie, wenn Sie das Tier im Kanton Bern gefunden haben die Wildhut (von 7:00 bis 19:00 Uhr) unter der Nummer 0800 940 100. Während der übrigen Zeiten oder wenn der Fundort des Tieres in einem anderen Kanton liegt, wenden Sie sich bitte an die Polizei.
  • Bringen Sie das Tier in einem geeigneten Behältnis unter: 
    • Vögel: Kartonschachtel mit mehreren Lagen Zeitungspapier, Küchenrolle oder Toilettenpapier, damit die Ausscheidun- gen des Vogels aufgenommen werden können. Zudem sollte das Behältnis ausreichend gross sein und vorgehend mit Luftlöchern versehen werden. Der Vogel sollte darin jedoch keine Flugversuche unternehmen können (so gross wie nötig, so klein wie möglich). Möglichst keinen Vogelkäfig verwenden (Verletzungsgefahr, Gefiederschäden)!
    • Igel: Kartonschachtel mit mehreren Lagen Zeitungspapier. Zudem sollte das Behältnis ausreichend gross sein und vorgehend mit Luftlöchern versehen werden. Ausserdem sollte dem Igel in der Kartonschachtel in Streifen gerissenes Zeitungspapier als Versteckmöglichkeit angeboten werden.
    • Andere Säugetiere (z. B. Fledermaus, junges Eichhörnchen): Kartonschachtel mit Handtuch o. ä. und einem weiteren Tuch, damit sich das Tier bei Bedarf darunter verstecken kann. Zudem sollte das Behältnis ausreichend gross sein und vorgehend mit Luftlöchern versehen werden.
    • Zusätzlich bei verwaisten Jungtieren: In das Behältnis sollte eine mit einem dünnen Tuch umwickelte und mit warmem Wasser gefüllte Bettflasche oder auch eine kleine PET-Flasche gelegt werden, um das Jungtier vor dem Auskühlen zu bewahren.
    • Fütterung und Wasserbedarf:
      • Den Tieren sollte Wasser niemals direkt eingegeben werden. Es besteht die Gefahr, dass Wasser in die Luftröhre gelangt! Besser ist es, ein der Grösse des Tieres angepasstes Schälchen mit Wasser in das Behältnis zu stellen, an dem sich das Tier selbst bedienen kann.
      • Igel: Igeln kann ein Schälchen mit Katzenfeuchtfutter angeboten werden.
      • Vögel: Da die Ansprüche bezüglich Nahrung bei Vögeln sehr verschieden sind, sollte auf eine Fütterung verzichtet werden. Ausserdem betrifft die zu überbrückende Zeit bis zur Weitergabe des Vogels an die Wildstation nur die Abend- und Nachtstunden. Diese Zeit verbringen die meisten Vögel in der Regel mit Schlafen und Ruhen und ohne Nahrungsaufnahme. Eine Fütterung des hilfebedürftigen Vogels ist aus diesen Gründen während der kurzzeitigen Betreuung bei Ihnen zu Hause nicht nötig. Fledermäuse: Fledermäuse benötigen während einer kurzzeitigen Unterbringung für eine Nacht keine Nahrung. Eichhörnchen, Siebenschläfer: Es können Haselnüsse und Walnüsse angeboten werden (bei Jungtieren ohne Schale).
    • Stellen Sie das Behältnis bis zum nächsten Morgen an einen ruhigen Ort.
    • Nehmen Sie am nächsten Morgen ab 8:00 Uhr unter der Telefonnummer +41 32 665 38 93 Kontakt mit der Stiftung Wildstation auf, um die Aufnahme des hilfebedürftigen Tieres in der Wildstation anzumelden und zu besprechen.

    Beachten Sie auch unsere weiteren Merkblätter zu den einzelnen Tiergruppen! Sie sollen Ihnen helfen, in jeder Situation richtig zu reagieren.