Merkblatt «Jungtiere»

Verhalten gegenüber Jungtieren einheimischer Säugetiere

Besonders beim Fund oder Anblick von Jungtieren verschiedener Säugetierarten stellt sich die Frage, ob diese tatsächlich «in Not» sind und der menschlichen Hilfe bedürfen und wie man sich in diesen Fällen verhalten soll:

Rehkitze und Hasen

Ein Rehkitz, welches sich mit seinem typischen Fleckmuster in der Wiese abduckt, oder ein kleiner Feldhase, der allein im Gras sitzt stellen beispielsweise nicht zwingend Waisen dar: vielmehr entsprechen diese Verhaltensmuster der Biologie dieser Tierarten. Rehkitze, welche in den ersten drei Wochen nahezu geruchlos sind, werden von der Mutter im hohen Gras abgelegt, da sie bei Gefahr noch nicht schnell genug mit ihr flüchten könnten. Dort sind die Kitze gut getarnt und ducken sich ab, anstatt zu fliehen. Beim jungen Feldhasen verhält es sich ähnlich: die Kleinen sind an mehreren Stellen verteilt, die Häsin kommt nur selten zum Säugen vorbei, was durch die sehr nahrhafte Hasenmilch ermöglicht wird. Ein Berühren oder gar Aufnehmen und mit nach Hause nehmen dieser Tiere sollte unbedingt unterbleiben!

Nesthocker

Bei den Nesthockern, anfangs nackten und blinden Jungtieren verschiedener Tierarten, welche in einem Versteck, Bau oder Kobel (Eichhörnchen) von den Eltern intensiv betreut werden, verhält sich die Situation etwas anders. Diese Jungen, werden sie im Freien angetroffen, sind ohne die elterliche Fürsorge, Schutz und vor allem Wärme hilflos. Dies sind z. B. die jungen Igel, Marder, Iltisse, Hermeline, Maus- wiesel, Füchse, Dachse, Siebenschläfer und Eichhörnchen.

Aus verschiedenen Gründen kommen diese Jungtiere mitunter in Situationen, in denen sie Hilfe benötigen. Bevor man ein solches Wildtier jedoch berührt, sollte man sich über die Situation ein Bild machen und fachliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Aufzucht von Wildtieren

Die Aufzucht eines Wildtieres stellt sehr hohe Ansprüche, da sowohl der Arbeitsaufwand sehr hoch ist, aber insbesondere die tierartspezifischen Bedürfnisse hinsichtlich Unterbringung und Nahrung sehr unterschiedlich sind. Zudem kann die Aufnahme eines Wildtieres «zu Hause» auch mit Gefährdungen für die eigene Gesundheit oder die möglicher Haustiere einhergehen.

Gefahren beim Kontakt mit Wildtieren

Gerade beim Fuchs ist die Gefahr gross, ein mit der Räude infiziertes Tier zu finden. Die Räude ist eine von Milben verursachte Erkrankung der Haut, die mit Haarausfall, starkem Juckreiz und borkig-krustigen Veränderungen einhergeht und in den meisten Fällen qualvoll zum Tode führt. Zudem ist diese parasitäre Erkrankung ansteckend für Haustier und Mensch!

Auch die Staupe, eine Viruserkrankung z.B. bei Fuchs, Dachs und Steinmarder, kommt wieder häufiger vor. Die Staupe ist zwar für den Menschen nicht ansteckend, dafür aber um so mehr innerhalb der Wildtierpopulation.

Gründe für das neuerdings wieder vermehrte Auftreten dieser beiden Wildkrankheiten ist insbesonderer die stark gestiegene Population von Füchsen und Mardern: Diese «Kulturfolger» konnten sich stark vermehren, dadurch geraten die Tiere immer mehr unter territorialen Stress, finden weniger Beutetiere und haben eine schlechtere Kondition. Die Ansteckung kann somit schneller erfolgen und die Krankheiten breiten sich zügiger aus (seuchenartiger Verlauf).

Notsituationen

Notsituationen können sich ergeben, wenn beispielsweise das Mähen einer Wiese bevorsteht, ein Nesthocker ausser- halb des Baues, Versteckes oder Kobels (Eichhörnchen) angetroffen wird oder wenn das Muttertiere einem Unfall oder Feind zum Opfer gefallen ist. Da diese Situationen für den Laien jedoch schlecht abzuschätzen sind, empfielt es sich, den zuständigen Wildhüter oder Jagdaufseher (via Polizei avisieren lassen) zu informieren. Diese Fachleute können die Situation vor Ort am besten einschätzen und geeignete Massnahmen ergreifen.

Selbstverständlich erhalten Sie auch durch die Stiftung Wildstation Landshut Informationen zum Umgang mit der Situation: am besten kontaktieren Sie uns telefonisch (+41 32 665 38 93).